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Biographie

1938 (8. Dezember) in Budapest geboren
1957-1962 Studium der Hungarologie und Germanistik an der Budapester Universität, mit dem Lehrer-Diplom abgeschlossen
1962-1971 als Sprachlehrer tätig
ab 1971 freischaffender Schriftsteller, Dichter und Übersetzer (u.a. Keats, Blake, Beckett; Heine, Hölderlin, Benn; Kafka, Musil)
seit 1993 ordentliches Mitglied der Akademie für Literatur und Kunst Széchenyi

Wichtige Preise:
1966 Auszeichnung des Internationalen PEN-Clubs; 1972 Graves-Preis; 1974 Kassák-Preis; 1975 Milán-Füst-Prämierung; 1978 Attila-József-Preis; 1984 „Forint“-Preis; 1984, 1985, 1991 Niveaupreis des Európa-Verlags; 1985 Schönstes ungarisches Buch; 1986 Tibor-Déry-Prämierung; 1989 Ernő-Szép-Prämierung; 1989 „Litteris et Artibus“ (Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst); 1993 Soros-Preis für das literarische Lebenswerk; 1996 Lorbeerkranz der Ungarischen Republik; 1998 Kossuth-Preis

Fragment für Hamlet
1968

Tandori wird in Ungarn als der vielseitigste Dichter nach dem Zweiten Krieg gesehen, er schreibt visuelle Poeme, konkrete Poesie, Oden, Elegien, Sonette und dichtet auch in klassischen Versformen. Seine erstaunliche Produktivität bringt auch Romane, Erzählungen, Aufsätze und Essays hervor. Nachdem er als Übersetzer den Preis des internationalen Wettbewerbs des PEN-Clubs erhalten hatte, trat er 1968 mit dem ersten Gedichtband "Töredék Hamletnek" (Fragment für Hamlet) an die Öffentlichkeit, die das Buch wegen der hermetischen lyrischen Sprache und dem philosophischen Gehalt interessiert aufnahm. Tandori stellte sich in die Tradition der so genannten Neumond-Lyrik, die von Dichtern wie z. B. Ágnes Nemes Nagy, János Pilinszky, Sándor Weöres u.a. um die 1948 verbotene Zeitschrift Újhold (Neumond) praktiziert wurde, und setzt damit gleichzeitig den Ausgangspunkt seines sich ständig fortschreibenden Gesamtwerkes. Zu Beginn der siebziger Jahre wendete er sich verstärkt der konkreten Poesie zu, z. B. "Herakleitosz-emlékoszlop" (Heraklit-Säule), und setzt damit die Ansätze der zeichentheoretischen Avantgarde fort. "Als Persönlichkeit wie als Lyriker gleichermaßen außergewöhnlich, gilt Tandori dank seiner humanen Haltung, enormen Bildung, Formensicherheit und Modernität als eine der faszinierendsten Gestalten der ungarischen Gegenwartsliteratur. Während er einerseits, gestützt auf die Traditionen der gesamten Geschichte der ungarischen Poesie, selbst wieder traditionssetzend wirkt, eröffnet andererseits sein formensprengender Avantgardismus der zeitgenössischen Literatur Ungarns neue Wege und Möglichkeiten." (András Petöcz, Kindlers Literaturlexikon)

Langer Sarg in aller Kürze
1996

In seinem Erzählband spielen die Spatzen eine herausragende Rolle. Neben den Spatzen sind es auch andere Tiere, die das literarische Universum des Dichters prägen und "vom geliebten Wesen zu geheimen Zeichenträgern mutieren. In ihrer Omnipräsenz stehen sie für Leben, Tod, Wiedergeburt, für Zufall und Gesetz." (Ilma Rakusa) Der Tod deutet sich bereits im Titel an und wird in den frei assoziierenden Tagebuchaufzeichnungen mit wilder sprachlicher Virtuosität entfaltet: "Doch leben ist eine Schande! Bedarf es einer stärkeren Formulierung? (Dezső) Ernő Szép. Doch leben ist eine Schande / Doch leben ist eine Schande / Weiter grüßen / Weiter reden... Wolken sollen stürzen auf mich / Fluten mich fortreißen / Herbstnebel mich verbergen / Sonnenlicht mich verleugnen. - Auch chansonartig, ebenso Hard Rock. Schrecklicher höchster Schmerz. Oder? Lauern, abwarten / Sich ängstigen vor dem Tod / Doch leben ist eine Schande. - Darin ist all das enthalten, wovon mein armes Buch hier überhaupt sprechen können wollte."

Die Hand Nichts
1996

Mit dem Band "Vagy majdnem az" (Vielleicht beinahe das) kehrte Tandori zur geschlossenen Form, zum Lied zurück. In der vorliegenden Sammlung begegnet dem Leser eine kompakte poetische Welt, die von seinen europäischen Reisen, den Pferderennen, den philosophischen Gedanken erzählt. István Margócsy schreibt, dass der Band aufzeige, "wie überhaupt der Akt der ununterbrochenen Bedeutungszuweisung funktioniert und funktionieren kann: Für Tandori wird alles - egal was wo und wie passiert - sofort zum Zeichen. Selbst das Leben und jede Erscheinung funktioniert wie eine Zeichenkette, die auf Interpretation wartet und deren letztendliche Bedeutung dennoch nicht zu entschlüsseln ist."

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