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Biographie

1940 (5. Juli) in Magyarkanizsa [Kanji'a/Serbien] geboren
1959 – 1962 Studium an der Universität Újvidék [Novi Sad/Serbien], später in Zagreb
1969 Chefredakteur der Zeitschrift Új Symposion
1974 – Redakteur beim Rundfunk in Novi Sad
1992 – Chefredakteur der Zeitschrift Ex Symposion

Preise:
1988 Preis des niederländischen Kelemen-Mikes-Kreises, 1991 Attila-József-Preis, 1992 Niveaupreis der Zeitschrift Kortárs, 1992 Prämie Buch des Jahres, 1997 Milán-Füst-Preis, 2007 Kossuth-Preis

Dichter aus Schweineschmalz
2004

1998, zur Zeit der jugoslawischen Kriege, machte der Dichter Lajos Parti Nagy in Palics für den Ungarischen Rundfunk ein Interview mit Ottó Tolnai zu dessen Lebensweg, "das das Wunder selbst war" (Péter Esterházy). Tolnai ist der Meister des gesprochenen Wortes, seine genaue Erinnerungsgabe, die Geschichten und Anekdoten sind für den Zuhörer ein wahres Erlebnis. Das Interview wurde ausgestrahlt, doch Tolnai beschäftigte sich mit diesem Text weiter, Ausschnitte erschienen der literarischen Zeitschrift Jelenkor, und während sich Parti Nagy mit seinen Fragen zunehmend zurückzog, schrieb und schrieb Tolnai seine Antworten. So entstand der Band "Dichter aus Schweineschmalz", dessen Untertitel "Roman eines Rundfunkinterviews" lautet und für den Tolnai den Ungarischen Literaturpreis erhielt. Der Titel ist von Dezső Kosztolányi entliehen, der beschreibt, er habe einmal in einem Schaufenster eine Petőfi-Skulptur gesehen, von der er glaubte, sie sei aus dem feinsten Marmor. Erst später ging ihm ein Licht auf: "das Ganze ist aus Schmalz, aus erstrangigem Schweineschmalz". Kosztolányi ist für Tolnai von großer Bedeutung, denn auch er ist ein Kind seiner Region, und Tolnai beginnt seine Erinnerungen mit den Kinderjahren dort. Doch wie es bei großen Erzählern üblich ist, bleibt er nicht beim chronologischen Verlauf, seine Erinnerungen und die Fantasie lassen ihn und den Leser zwischen der Theiß und der Adria, zwischen Magyarkanizsa, Újvidék [Novi Sad] und Zagreb hin- und herfliegen. Er erinnert sich an seine Familie, seine Freunde, die Künstlerkollegen, spricht von Literatur, Philosophie, Kunst, von der legendärenden Zeitschrift für ungarische Literatur, Új Symposion, sowie vom Jugoslawien Titos und dem Inferno der 90er Jahre. Aus dem Interview wurde ein großer Roman, der Roman vom Leben Ottó Tolnais. "Der Dichter aus Schweineschmalz ist sicherlich eines der bedeutendsten Tolnai-Werke, es ist mir eine Freude, daran beteiligt gewesen zu sein." (Lajos Parti Nagy)

Die Liebenden von Pompei
2007

"Die Liebenden von Pompei. Kapitel aus Infaustus." Das aus den im Zeitraum 1999-2006 entstandenen Prosatexten des Autors bestehende Buch kann als Erzählband oder als Essayroman verstanden werden. Der autobiographische Erzähler, also der in Palics (Woiwodina / Serbien) lebende Autor berichtet von seinem Alltag, seinen Reisen, den skurrillen Figuren dieser ländlichen Umgebung. Tolnai webt in seinen Stoff ein immenses kulturelles Material, aber auch banalste Kneipengeschichten. Die Fundgegenstände und Fundpersonen des Erzählers lassen die seltsame, dennoch als eine kulturelle Gemeinschaft aufzufassende Welt der zerfallenen Österreichisch-Ungarischen Monarchie sowie des ebenfalls zerfallenen, seligen Jugoslawiens entstehen. Formell gesehen sind die Texte essayartige Erzählungsfragmente, hinter denen die Idee eines Romans schwebt. Dieser Roman wird jedoch nicht ausgebaut, lediglich angedeutet, teils indirekt durch formelle Elemente, teils aber auch direkt, durch die wiederholte Erwähnung des Romans Infaustus. Der Erzähler behauptet, er schreibe gerade an diesem Werk: an einem Roman über die liebenswerten, nichtsnutzigen Badeortgestalten, die Infaustus von Palics. "Es ist nicht nur eine wunderbare Lektüre, sondern eine der wichtigsten literarischen Neuerscheinungen der letzten Jahre." Tibor Bárány, Élet és Irodalom

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Neuigkeiten aus dem UNGARISCHEN LITERARISCHEN LEBEN