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Zsuzsa VATHY
( 1940 )

» Wir blicken auf das Schöne (1996)
» Abenteuerroman (1999 )
» Engelsbrücke (2003 )

Biographie

1940 (15. April) in Pápa geboren
1959-64 Chemiestudium an der Universität von Veszprém
1964-70 Ingenieurin in einem Chemiebetrieb in Százhalombatta
seit 1971 Journalistin in Budapest
1990-92 Redakteurin der Literaturzeitschrift Kortárs (Zeitgenosse)
seit 1992 freischaffende Schriftstellerin, Mitglied der Ungarischen Akademie der Künste

Wichtige Preise:
1986 Attila-József-Preis; 1986 Preis des Kinderbuchverlags Ferenc Móra; 1986 Preis für das Buch des Jahres; 1990 Preis des Magvető Verlags; 1996 Tibor-Szobotka-Preis; 2000 Ritterkreuzorden der Ungarischen Republik

Wir blicken auf das Schöne
1996

Der Band umfasst drei längere Erzählungen, die mit unterschiedlichen Handlungen und Figuren doch um das gleiche Thema kreisen. Drei Frauen blicken zurück auf ihr Leben und stellen sich die Frage, ob es auch anders hätte verlaufen können. Karolina besitzt in den 1920er Jahren eine gut gehende Mühle auf dem Lande. Doch mit ihrer eigenwilligen, herrischen Art macht sie sich und anderen das Leben schwer. Zu spät kommt ihr diese Einsicht und auch die Hoffnung, die anderen mögen sie nicht für einen schlechten Menschen halten. Zsuza Vathy nennt "Die Mühle an der Lapinca" eine "einfache Geschichte aus der Zeit, als die Leser solche Geschichten noch liebten und nicht dachten, daß sie alles, was es in der Welt gibt, schon gesehen oder gehört hätten". Die zweite Erzählung trägt den ungewöhnlichen Titel "Hier schaut man in die Kunst hinein". Die 55-jährige Frührentnerin Erzsébet Osztos, genannt Lisi, beschließt ihre Lebensgeschichte auf ein Tonband zu sprechen. Als junge Frau - damals war sie Straßenbahnschaffnerin in Budapest - geriet sie in den Sog des Ungarn-Aufstandes von 1956. Sie verlässt das Land, kehrt aber nach einem Amnestieversprechen zurück. Sie wird verhaftet, gefoltert und für viele Jahre ins Gefängnis gesteckt. Nach der Entlassung versucht sie, wieder ein normales Leben zu führen, doch die Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Die dritte Erzählung "Katze mit Myrten" spielt in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Palma ist hin und her gerissen zwischen ihrer Familie und dem Liebesverhältnis zu einem Kollegen. Schließlich gibt sie ihre Familie für den Geliebten auf. Sie weiß, dass es ein Fehler ist und kann doch nicht anders handeln. Vathy schreibt eine Bovary-Geschichte und bekennt in einer Vorbemerkung, Madame Bovary, das bin natürlich ich. Einfühlsam und poetisch führt sie den Leser mit drei völlig unterschiedlichen Frauenschicksalen durch die Geschichte Ungarns im 20. Jahrhundert.

Abenteuerroman
1999

Während seine Frau zu ihrem jährlichen Erholungsaufenthalt in die Provinz aufbricht, bleibt Akáciusz Kis-Várady, ein angesehener Jurist um die fünfzig, allein in Budapest zurück. Er beschließt seine kurze Freiheit zu nutzen und sich ins Getümmel der Großstadt zu stürzen. Wir schreiben die neunziger Jahre, alle Restriktionen der sozialistischen Ära sind gefallen und Budapest befindet sich in einem rasanten Wandel. Für seine Streifzüge wählt Akáciusz jeden Tag eine andere Route und entdeckt so die Stadt, in der er seit Jahrzehnten lebt, völlig neu. Er nimmt eine Anhalterin in seinem Wagen mit und hat eine flüchtige Affäre mit ihr. Er geht in ein Konzert, schaut sich ein neues, supermodernes Einkaufszentrum an. Er besucht ein Klassentreffen und nimmt am Begräbnis eines Unbekannten teil, bei dem er in eine lebhafte Konversation verwickelt wird. Sein Weg führt ihn in die Budapester Halbwelt und in ein flüchtiges Liebesabenteuer. Auf seinen Streifzügen lernt Akáciusz typische Figuren dieser Stadt kennen, hemmungslose Unternehmer ebenso wie Obdachlose. Oft nehmen seine Touren überraschende Wendungen und erweisen sich als wirkliche Abenteuer für ihn. Mit diesem Buch zeichnet Vathy ein Bild der frühen Budapester Nachwendezeit und hält typische Momente jüngerer ungarischer Geschichte fest. Es ist zugleich Abenteuerroman und geistreiche Parodie dieser literarischen Gattung. Ein Befund unseres Lebens und der uns umgebenden Welt.

Engelsbrücke
2003

"Wir schreiben das Jahr 1952 und sind im Osten Mitteleuropas, also mitten in Osteuropa. In einem Land, das als Verlierer aus dem Krieg hervorgegangen ist. (In den es gar nicht erst eingetreten wäre, wenn es genügend Mut, Verstand und moralische Stärke besessen hätte, doch die besaß es nicht.) Nach dem Krieg hat sich die siegreiche Großmacht, ungeachtet dessen, wer ihre Verbündeten, wer ihre Feinde waren, die sieben-acht-neun Länder, die am nahesten lagen, mit einer saloppen Bewegung an die Brust gedrückt und sie ganze vierzig Jahre in ihre Obhut genommen. Da sind wir also. In einem totalitären System, und erneut in den Armen einer Großmacht, die Blut an den Händen hat." Der Roman spielt in Ungarn zur Zeit der schärfsten kommunistischen Diktatur. Die junge Reni Siksztin, Hauptfigur der Geschichte, kommt aus einer ungewöhnlich schillernden, klugen Familie und verfügt über eine blühende Phantasie. Mit Hilfe eines Schutzengel namens Bódog vermag sie der beklemmenden Gegenwart zu entfliehen und in andere Zeiten und andere Leben zu schlüpfen. So gerät sie 1489 in Mailand in die Gefolgschaft des ungarischen Renaissancekönigs Mátyás, führt Mitte des 19. Jahrhunderts das Leben einer ungarischen Schauspielerin, erlebt den Beginn des 20. Jahrhunderts als Mutter von sechs Kindern an der Seite eines trunksüchtigen Lehrers, genießt schließlich, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhundert, als angehende Malerin die neuen Freiheiten der Frau und gerät dabei in eine verhängnisvolle Liebesbeziehung. Doch in entscheidenden Momenten greifen die himmlischen Kräfte ein und befreien sie rechtzeitig aus allen Krisensituationen. Farbige psychologische Schilderungen, mitreißende Zeitbilder und intensive dramatische Momentaufnahmen machen den Roman zu einer fesselnden, märchenhaften und aufregenden Lektüre.

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