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Mihály VÖRÖSMARTY
( 1800 - 1855 )

» Zalans Flucht (1825)
» Csongor und Tünde (1830)

Biographie

1800 (1. Dezember) in Pusztanyék geboren
1811-1816 in Székesfehérvár Schüler bei den Zisterziensern
1817 Tod des Vaters; Studium der Philosophie und Rechtswissenschaften in Budapest; aus materiellen Gründen als Hauslehrer bei der wohlhabenden Familie Perczel tätig
1824 nach seiner Praktikantenzeit als Rechtsgehilfe Rechtsanwaltsprüfung; Mitarbeiter im Aurora-Kreis
1828-1832 Redakteur der Zeitschrift Tudományos Gyűjtemény (Wissenschaftliche Sammlung) und zusammen mit den Literaten József Bajza und Ferenc Toldy Herausgabe der Zeitschrift Athenaeum
1830 Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften; gemeinsam mit Franz Toldy erarbeitete er das erste ungarische orthographische Regelwerk; verschiedene literarische Preise gewonnen
1843 Heirat mit der 24 Jahre jüngeren Laura Csajághy
1848 Beteiligung an der Revolution und während der Freiheitskriege 1848/49, musste sich danach verstecken; lebte die letzten Lebensjahre zurückgezogen in der Provinz
1855 (19. November) nach langer Krankheit in Budapest gestorben

Zalans Flucht
1825

Mit dem zehn Gesänge umfassenden Heldenepos erlangte Vörösmarty landesweit Anerkennung, denn er hatte mit dieser Dichtung die ungarische Landnahme zum Thema erhoben und das lang erwartete historische Epos geschaffen. Mit der Beschwörung des "alten Ruhmes" der Land nehmenden Ungarn sollte das Nationalbewusstsein der damaligen Zeitgenossen beflügelt werden. Daneben ist aber auch ein elegischer Ton, der den traurigen Blick in die Vergangenheit begleitet, nicht zu überhören. Der Führer der Magyaren, Árpád, ruft seine Gefährten zusammen, um gegen den Bulgarenfürsten Zalán und die mit ihm verbündeten Griechen zu kämpfen, nachdem Zalán die Ungarn aufgefordert hat, ihre Gebiete zu verlassen. Zu Árpáds Gefährten gehört auch Ete, ein jugendlicher Held, der sich in die schöne Tochter des greisen Heerführers Huba verliebt hat. In die Auseinandersetzungen greifen aber auch überirdische Kräfte ein: Der Kriegsgott Hadúr unterstützt die Ungarn, den Bulgaren wird Hilfe von dem bösen Ármány zuteil. In langen und schweren Kämpfen besiegt Árpád schließlich die Bulgaren, die zusammen mit ihrem Führer Zalán nach Belgrad flüchten. Die dynamischen Beschreibungen der Schlachtenszenen werden unterbrochen von der eingewobenen Liebesgeschichte, die unerfüllte Liebe des Feenprinzen zu dem irdischen Mädchen Hajna. Die lyrischen Elemente treten auch in monumentalen Bildern der Nacht und des Todes in den Vordergrund und lassen die Himmel und Erde umfassende, kosmische Dimension des Werkes erahnen. Das Epos ist zweifelsohne von der klassischen antiken Epik und von Vörösmartys Ossian-Erlebnis beeinflusst.

Csongor und Tünde
1830

Die aus fünf Aufzügen bestehende dramatische Dichtung gilt als Meisterwerk des jungen Vörösmarty. Die Uraufführung fand allerdings erst 1879 im Nationaltheater in Budapest statt. Der junge Held Csongor sucht die Fee Tünde, mit der er schon einmal das Liebesglück genossen hat, bevor die böse Hexe Mirigy sich einmischte, um das Glück zu verhindern. Zusammen mit seinem Begleiter, dem tollpatschigen und ewig hungrigen Balga, muss Csongor verschiedene Abenteuer in der Fantasiewelt des Feenlandes und in der Wirklichkeit bestehen. Dabei begegnen ihm die lustigen, schalkhaften Teufelssöhne und drei Wanderer, die symbolhaft nach Reichtum, Ruhm und Wissen streben und bei dem zweiten Zusammentreffen ihr Scheitern eingestehen müssen: "Unerfüllbar bleibt des Menschen Sehnen, unerreichbar gleißend, falsch das Ziel." Auch die Fee Tünde ist unterwegs, um Csongor wiederzufinden, an ihrer Seite Ilma, die Ehefrau Balgas. Tünde ist bereit, für die irdische Liebe zu Csongor auf das ewig währende Glück im Feenland zu verzichten. Sowohl Csongor als auch Tünde sind in ihrer Suche mit den zentralen Topoi der Romantik, mit der Sehnsucht nach Unsterblichkeit und mit der Vergänglichkeit des Menschen konfrontiert. Diese existentiell-philosophische Problematik wird mit den drei allegorischen Wanderern und der Herrin der Nacht weiter ausgeführt. Csongor und Tünde hat viele ungarische und weltliterarische Bezugspunkte, die von Albert Gergais "Argirus"-Geschichte aus dem 16. Jahrhundert, über das ungarische Volksmärchen und die Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" bis hin zu Shakespeares "Sommernachtstraum" reichen.

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